Warum Greifvögel eine besondere Herausforderung darstellen
Greifvögel sind keine gewöhnlichen Vögel. Sie verfügen über scharfe, kräftige Klauen (Fänge), gebogene Schnäbel und eine natürliche Wehrhaftigkeit, die auch bei verletzten Tieren noch erhebliche Kräfte entfalten kann. Die Verletzungsgefahr beim Einfangen eines verunglückten Greifvogels kann sehr hoch sein, denn die Wehrhaftigkeit des Tieres ist nicht zu unterschätzen. Daher sollte niemals versucht werden, einen verletzten Greifvogel selbst einzufangen.
Bei größeren oder wehrhaften Tieren wie Greifvögeln gilt grundsätzlich: immer Fachkräfte abwarten und niemals versuchen, solche Tiere allein zu sichern.
Hinzu kommt die besondere Stressreaktion dieser Tiere: Greifvögel sind ausgesprochene Einzelgänger mit einem stark ausgeprägten Fluchtinstinkt. Schon ein unsachgemäßer Umgang in den ersten Minuten nach dem Fund kann für das geschwächte Tier lebensbedrohlich sein. Das erfahrene Team des Tiernotruf Saarland e.V. weiß genau, wie mit diesen Tieren artgerecht und stressminimierende umzugehen ist.
Typische Greifvogel-Notfälle im Saarland
Verkehrsunfälle: Mäusebussarde, Turmfalken und Milane jagen häufig entlang von Straßenrändern und werden dabei von Fahrzeugen erfasst. Das ist einer der häufigsten Einsatzgründe. Die Saarbrücker Zeitung berichtete mehrfach über Einsätze des Tiernotruf Saarland, darunter die Rettung eines verletzten Greifvogels in Saarbrücken-Klarenthal sowie die Rettung eines schwer verletzten Falken.
Fensterschläge: Besonders in Siedlungsbereichen kollidieren Greifvögel – die oft Vögel auf der Flucht verfolgen – mit Glasscheiben und landen bewusstlos oder verletzt am Boden.
Nestlingsverluste: Junge Greifvögel verlassen ihre Horste manchmal zu früh oder fallen bei Sturm heraus. Ein bekanntes Beispiel aus dem Saarland: Am Schornstein des Heizkraftwerks Römerbrücke in Saarbrücken war ein Jungfalke aus seinem Horst abgestürzt. Die Berufsfeuerwehr Saarbrücken nahm den Vogel auf und übergab ihn an eine ehrenamtliche Tierretterin des Tiernotruf Saarland, die den Vogel gut geschützt zur Wildvogelauffangstation Püttlingen brachte. Dort wurde der Falke untersucht und für wohlauf befunden – das Beste für das Tier war die Rückführung in seinen Horst.
Vergiftungen: Greifvögel stehen als Raubvögel an der Spitze der Nahrungskette und sind daher besonders gefährdet, wenn vergiftete Köder oder vergiftete Beutetiere aufgenommen werden. Das Totfundmanagement des Tiernotruf Saarland e.V. umfasst auch die Asservierung bestimmter Wildtiere und Vögel zur Ursachenklärung
– ein wichtiger Beitrag zur Aufdeckung von Naturschutzverbrechen.
Erschöpfung und Unterernährung: Besonders in strengen Wintern oder bei Zugvögeln, die ihre Route verloren haben, kann schwere Erschöpfung zur Notlage führen.
Fanggeräte und Verletzungen: Einige Greifvögel verheddern sich in Netzen, Drähten oder Fischer-Angelschnüren und sind ohne fremde Hilfe nicht in der Lage, sich zu befreien.
Was der Tiernotruf Saarland e.V. bei Greifvogeleinsätzen leistet
Bei auffälligen Wildtierfunden, wie beispielsweise Greifvögeln und Eulen, übernimmt der Tiernotruf Saarland e.V. fachgerechte Sicherung mit spezieller Ausrüstung und unter Berücksichtigung des Tierschutz- und Jagdrechts. Dazu kommen der Transport zu Wildtierauffangstationen, Tierärzten oder Spezialkliniken sowie Dokumentation und Meldung an zuständige Behörden wie das Veterinäramt oder Jagdausübungsberechtigte.
Konkret bedeutet das bei einem Greifvogel-Einsatz:
Die Helferinnen und Helfer treffen mit der notwendigen Schutzausrüstung und dem passenden Sicherungsmaterial ein. Der Greifvogel wird tierschutzgerecht und so stressarm wie möglich eingefangen – mit Handschuhen, Decken oder speziellen Fanghilfen. Anschließend folgt eine erste Einschätzung des Zustands: Atmung, Verletzungen, Kreislauf, Schockanzeichen. Das Tier wird stabil und dunkel transportfähig gemacht und dann unverzüglich an eine geeignete Stelle übergeben – sei es die Wildtierauffangstation Eppelborn, die Zentrale Wildvogelauffangstation des Saarlandes in Püttlingen oder eine spezialisierte Tierarztpraxis.
Einsätze bei Wildtieren wie verletzten Greifvögeln, die im Rahmen des gesetzlichen Auftrags in Zusammenarbeit mit Behörden gesichert werden, sind für den Finder kostenfrei
Rechtlicher Rahmen: Greifvögel unter strengem Schutz
Alle heimischen Greifvögel sind nach dem Bundesnaturschutzgesetz (§ 44 BNatSchG) streng geschützte Tierarten. Das bedeutet: Wer einen verletzten Greifvogel findet, darf ihn zum Zweck der Rettung und Pflege aufnehmen, muss ihn jedoch unverzüglich an eine fachkundige Stelle übergeben. Die Arbeit der Vogelauffangstationen im Saarland ist im Bundesnaturschutzgesetz geregelt. Darin wird festgelegt, dass es vorbehaltlich jagdlicher Vorschriften zulässig ist, verletzte, hilflose oder kranke Tiere aufzunehmen, um sie gesund zu pflegen.
Der Tiernotruf Saarland e.V. handelt bei allen Greifvogeleinsätzen im Einklang mit diesen rechtlichen Vorgaben und stimmt sich, wo erforderlich, mit dem Veterinäramt, der Unteren Naturschutzbehörde sowie den Jagdausübungsberechtigten ab – denn einige Greifvogelarten unterliegen zusätzlich dem Jagdrecht.
Zusammenarbeit mit Feuerwehr, Behörden und Spezialstationen
Der Tiernotruf Saarland e.V. arbeitet mit Jagdbehörden und Jagdausübungsberechtigten bei verletzten oder verunfallten Wildtieren zusammen, ebenso wie mit Feuerwehren bei der technischen Rettung von Tieren aus Höhen, Tiefen oder Gewässern. Mit Wildtierauffangstationen und Tierärzten erfolgt die medizinische Erstversorgung und Pflege der geretteten Tiere.
Das Beispiel des abgestürzten Jungfalken am Heizkraftwerk Römerbrücke zeigt exemplarisch, wie dieses Netzwerk in der Praxis funktioniert: Die Feuerwehr sicherte die Lage, übergab das Tier an den Tiernotruf, der den Transport zur Fachstation organisierte. Solche abgestimmten Einsätze sind kein Einzelfall – sie sind das Muster erfolgreicher Greifvogelrettung im Saarland.