Welche Wasservögel werden betreut?
Zum Einsatzspektrum des Tiernotruf Saarland e.V. gehören alle heimischen Wasservogelarten des Saarlandes, darunter:Wasservögel wie Schwäne, Enten und Gänse werden von der Wildvogelrettung des Tiernotruf Saarland e.V. aktiv gesichert, erstversorgt und fachgerecht an geeignete Stellen übergeben.
Neben den klassischen Wasservögeln wie Stockente, Graugans, Kanadagans, Höckerschwan und Blässhuhn können auch Reiher, Fischadler oder seltene Zugvögel betroffen sein, die sich zur Rast an saarländischen Gewässern niederlassen. Auch Nestflüchter wie Enten, Gänse und Schwäne alleine ohne Begleitung der Eltern oder Jungvögel in gefährlicher Umgebung – etwa in Straßennähe – gehören zu den hilfsbedürftigen Fällen, bei denen der Tiernotruf eingreift.
Typische Notfälle bei Wasservögeln im Saarland
Die Ursachen für Notlagen bei Wasservögeln sind vielfältig und reichen von Unfällen über menschliche Eingriffe bis hin zu natürlichen Erkrankungen.
Angelhaken und Angelschnüre – die häufigste Verletzungsursache
Eine der häufigsten und gleichzeitig grausamsten Verletzungsursachen bei Wasservögeln sind Angelutensilien. Angelschnüre liegen nachlässig entsorgt oder abgerissen in und an den Gewässern. Wasservögel nehmen Angelhaken auf, und können an den Folgen von inneren Verletzungen sterben. Wasservögel fliegen oder schwimmen in die ausgelegten Angelruten, strangulieren sich in den Schnüren, was zur Abschnürung von Gliedmaßen, zu Blutanstauungen und geplatzten Blutgefäßen führen kann.
Angelhaken können auch verschluckt werden. In der Speiseröhre angekommen, verursachen sie große Schmerzen und können zu Eiterabszessen führen. Wasservögel, die durch Angelutensilien beeinträchtigt sind, können sich nicht ausreichend mit Nahrung versorgen, werden schwach und sterben spätestens im Winter.
Ein konkretes und berührendes Beispiel aus dem Saarland zeigt, wie ernst diese Problematik ist: An einem Weiher bei Völklingen-Wehrden entdeckten Passanten eine Schwanenmutter mit einem Angelhaken im Hals. Den Tierrettern des Tiernotruf Saarland gelang es, den Schwan einzufangen. Der Haken konnte in einer Auffangstation entfernt werden. Die Einsatzkräfte erstatteten Anzeige und informierten das Wasserschifffahrtsamt, die Stadt Völklingen sowie den Fischereiverband über die vorsätzliche Tierquälerei.
Auch die überregionale Presse griff diesen Fall auf:
berichtete über den durch einen Angelhaken verletzten Schwan in Völklingen. Tiernotruf
Verkehrsunfälle und Landungen auf Asphalt
Besonders in der Brutzeit und beim Zug suchen Wasservögel neue Gewässer und geraten dabei in gefährliche Situationen. Enten oder Gänse mit ihren Küken überqueren Straßen – oft mit tragischen Folgen. Zugvögel verwechseln nachts nasse Straßen oder Parkplätze mit Wasserflächen und landen dort. Ohne fremde Hilfe kommen sie nicht mehr weg.
Kältewellen und vereiste Gewässer
In harten Wintern gefrieren Seen und Weiher zu. Wasservögel, die sich zu lange auf dem Eis aufhalten oder darin festfrieren, sind ohne Hilfe verloren. Der Tiernotruf Saarland e.V. ist auch in solchen Situationen einsatzbereit.
Erschöpfte Jungvögel und verwaiste Küken
Enten-, Gänse- und Schwanenküken sind Nestflüchter. Sie sind von Geburt an vollständig mit Daunenfedern befiedert und folgen der Mutter bald nach ihrem Schlupf. Schwanen- und Entenküken folgen zwar ihren Müttern von Beginn an schwimmend, können das aber nur, weil beim sogenannten Hudern ihre Flaumfedern mit dem Gefiederfett des Elterntieres eingefettet werden. Die Fähigkeit, sich ihr Gefieder selbst mithilfe ihrer Bürzeldrüse einzufetten, haben sie erst, wenn sie einige Wochen alt sind. Davor durchnässt ihr Flaumgefieder bei Wasserkontakt und die Kleinen können ertrinken.
Verwaiste Küken ohne Muttertier sind daher besonders gefährdet und brauchen sofortige Hilfe.
Krankheiten und Parasiten
Wasservögel können an Vogelgrippe, Botulismus (besonders häufig an stehenden Gewässern in Hitzeperioden) oder anderen Erkrankungen leiden. Scheinbar taumelnde oder apathische Vögel am Ufer sind oft ein Warnsignal – und ein Fall für den Tiernotruf.
Die besondere Herausforderung bei der Bergung von Wasservögeln
Wasservögel, insbesondere große Arten wie Schwäne und Gänse, sind in der Regel wehrhaft und können sich mit kräftigen Flügelschlägen, spitzen Schnäbeln und ihren Beinen heftig verteidigen.
Bei der Bergung verletzter Schwäne, Gänse und Enten muss beachtet werden, dass diese mit ihrem Schnabel kräftig zwicken können und sich auch mit Flügelhieben verteidigen. Zum Einfangen sollte am besten Hilfe von Passanten geholt und versucht werden, die Vögel mit einer Decke zu erwischen.
Vorsicht ist bei wehrhaften, größeren Vögeln wie Entenmüttern geboten. Hier sollten Handschuhe angezogen und eine Decke zum Überwerfen verwendet werden.
Der Tiernotruf Saarland e.V. bringt genau diese Erfahrung und Ausrüstung mit. Kescherfanggeräte, Schutzhandschuhe, geeignete Transportboxen und Decken gehören zur Standardausrüstung bei Wasservogeleinsätzen. Verletzungen, die die Flugfähigkeit dieser Tiere nicht beeinträchtigen, wie Beinverletzungen, umwickelte Angelschnüre oder sonstige Fremdkörper im Schnabel-Halsbereich, stellen eine besondere Herausforderung an das Retter-Team dar.
Was der Tiernotruf Saarland e.V. bei Wasservogeleinsätzen leistet
Das Einsatzspektrum des Tiernotruf Saarland e.V. bei Wasservögeln umfasst alle Phasen der Rettung und Erstversorgung:
Zunächst erfolgt die Sicherung der Situation vor Ort – das Tier wird beobachtet, der Zugang zum Gewässer gesichert und das Einfangen koordiniert. Es folgt eine erste Einschätzung des Gesundheitszustands: Verletzungen, Erschöpfungszustand, Vergiftungsanzeichen oder Fremdkörper werden identifiziert. Anschließend wird das Tier stressminimierende stabilisiert – in einer geeigneten Transportbox, abgedunkelt und ruhig. Der Tiernotruf Saarland versteht die speziellen Anforderungen dieser Tiere und kann sie sicher an ihren Bestimmungsort bringen.
Der Tiernotruf Saarland e.V. versorgt Tiere medizinisch im Rahmen der Erstversorgung oder bringt sie direkt zu Tierärzten, Wildtierauffangstationen oder sicheren Unterkünften.
Besonderer Transportservice für Wasservögel
Wasservögel stellen besondere Anforderungen an den Transport. Sie sind groß, können panikartig reagieren und benötigen ausreichend Platz sowie eine artgerechte Transportumgebung.
Der Tiernotruf Saarland bietet speziell für Schwäne und andere Wasservögel Transportdienste an und versteht deren besondere Anforderungen. Für besonders junge oder verletzte Tiere steht außerdem ein spezieller Transportdienst mit Transportinkubator zur Verfügung, um sicherzustellen, dass diese Tiere während des Transports die bestmögliche Pflege erhalten.
Zusammenarbeit mit Auffangstationen und Behörden
Der Tiernotruf Saarland e.V. arbeitet aktiv mit Wildtierauffangstationen und Tierärzten für die medizinische Erstversorgung und Pflege der geretteten Tiere zusammen, ebenso wie mit Feuerwehren bei der technischen Rettung aus Gewässern oder anderen schwer zugänglichen Bereichen.
Im Saarland kooperiert der Verein dabei unter anderem mit der Zentralen Wildvogelauffangstation des Saarlandes (WiVo) in Püttlingen sowie mit spezialisierten Tierarztpraxen und dem Wildtierzentrum Saarburg. Wichtig ist auch die Zusammenarbeit mit Behörden: Bei Verdacht auf vorsätzliche Tierquälerei – wie im Fall des mit einem Angelhaken verletzten Schwans in Völklingen-Wehrden – werden Anzeigen erstattet und zuständige Stellen wie Veterinäramt, Fischereiverband und kommunale Behörden informiert.
Die Arbeit der Vogelauffangstationen im Saarland ist im Bundesnaturschutzgesetz geregelt. Darin wird festgelegt, dass es vorbehaltlich jagdlicher Vorschriften zulässig ist, verletzte, hilflose oder kranke Tiere aufzunehmen, um sie gesund zu pflegen.