WILDTIERE

Was ist Wildtierrettung – und wann greift der Tiernotruf ein?

Nicht jedes Wildtier, das allein angetroffen wird, befindet sich in einer Notlage. Gerade bei Jungtieren ist Zurückhaltung gefragt, da viele Wildtiere zeitweise von ihren Eltern verlassen werden und trotzdem gut versorgt sind. Der Tiernotruf Saarland e.V. betont daher einen verantwortungsvollen Umgang mit Eingriffen in die Natur.

Der Tiernotruf Saarland e.V. ist Ansprechpartner bei akuten Notfällen mit Wildtieren. Immer dann, wenn sich ein Wildtier in einer unmittelbaren Gefahrensituation befindet, verletzt ist oder offensichtlich hilflos erscheint, wird im Rahmen der vorhandenen Möglichkeiten schnelle und fachgerechte Hilfe geleistet. Ziel ist es, das Tier aus der Gefahrenlage zu befreien und eine geeignete weitere Versorgung sicherzustellen.

Nicht jedes allein aufgefundene Wildtier ist hilfsbedürftig. Insbesondere bei Jungtieren erfolgt ein Eingreifen nur dann, wenn tatsächlich eine akute Notlage vorliegt. Der Verein führt keine unbegründeten Eingriffe in die Natur durch.

Schwerpunkte der Wildtierrettung

Befreiung aus Gefahrenlagen
Die Tätigkeit des Vereins konzentriert sich auf die Rettung von Wildtieren aus akuten Zwangs- und Gefahrensituationen. Dazu zählen beispielsweise Tiere, die sich in Zäunen, Netzen oder baulichen Anlagen verfangen haben, in Schächte oder Gruben gestürzt sind oder sich in sonstigen lebensbedrohlichen Lagen befinden. In solchen Fällen erfolgt eine situationsangepasste Rettung unter Berücksichtigung des Eigenschutzes sowie des Schutzes des Tieres.
Erstversorgung verletzter und geschwächter Wildtiere
Bei verletzten oder geschwächten Wildtieren – etwa nach Verkehrsunfällen, bei Bissverletzungen, Unterkühlung, starker Entkräftung oder Kreislaufproblemen – unterstützt der Tiernotruf aktiv. Auch die Sicherung und Bergung verlassener oder in Gefahr geratener Jungtiere sowie Hilfe bei Wildtieren in Siedlungsbereichen, wenn sie sich nicht selbstständig aus Gefahrensituationen befreien können, gehören zum Aufgabenbereich.
Das Ziel ist dabei immer zuerst: Gefahr reduzieren, Tier sichern, Stress minimieren, medizinische Ersthilfe organisieren.
Konkret bedeutet das, dass der Tiernotruf zwar keine tierärztliche Behandlung wie eine Klinik durchführt, aber folgende wichtige Schritte übernimmt:
Eine erste Einschätzung des Allgemeinzustands, der Atmung, etwaiger Blutungen und Schockanzeichen wird vorgenommen. Dazu kommt eine sichere Stabilisierung im Rahmen der Möglichkeiten – durch Wärme, Ruhe, sichere Lagerung und Stressreduktion. Außerdem wird der Transport in eine Tierarztpraxis oder Tierklinik organisiert oder begleitet – je nach Situation und Verfügbarkeit. Dabei werden Kontakt und Übergabe mit relevanten Informationen wie Fundumstände, Symptome, Fotos und Dokumentation sichergestellt.
Wildtiere im Straßenverkehr
Bei akuten Gefahrenlagen, in denen Wildtiere eine unmittelbare Gefahr für sich selbst oder für den Straßenverkehr darstellen, wird die Einsatzstelle abgesichert und eine Abstimmung mit den zuständigen Behörden vorgenommen. Dazu zählen insbesondere verletzte Tiere im Verkehrsraum oder Tiere, die sich in unübersichtlichen Bereichen aufhalten.
Koordination und Übergabe: Das Netzwerk hinter der Rettung
Gerettete Wildtiere werden – abhängig von Art, Zustand und Erfordernis – in geeignete Auffangstationen oder in Tierkliniken übergeben. Der Verein übernimmt dabei die Kurzzeit-Notunterbringung von Wildtieren und koordiniert geeignete Auffangstationen und Wildtierpflegestellen. Die Zusammenarbeit mit Tierärzten, Tierkliniken und anerkannten Wildtierstationen ist dabei selbstverständlich. Im Rahmen der zulässigen Erste-Hilfe-Maßnahmen – wie Sicherungsmaterial, Wärmeerhalt, Fütterung nach tierärztlicher Vorgabe oder Parasitenmanagement auf tierärztliche Anweisung – wird eine Grundsicherung und Stabilisierung sichergestellt.

Im Rahmen der Einsätze wird eng mit Polizei, Ordnungsamt, Veterinäramt sowie weiteren zuständigen Stellen zusammengearbeitet. Maßnahmen erfolgen, insbesondere bei geschützten Arten oder bei jagdrechtlich relevanten Situationen, stets unter Beachtung der gesetzlichen Vorgaben und in Abstimmung mit den zuständigen Behörden oder Jagdausübungsberechtigten.

Technische Ausstattung im Einsatz

Zum Einsatz kommt dabei moderne technische Ausstattung, darunter Wärmebildkameras, Netzwurfgeräte und Sauerstoffkonzentratoren. Die Einsatzfahrzeuge sind speziell für den Transport verletzter Tiere in Tierkliniken oder Auffangstationen ausgerüstet. Der Verein arbeitet mit moderner Technik wie Wärmebildkameras und Drohnenunterstützung, um Tiere in unübersichtlichem Gelände und akuten Gefahrenlagen zu orten und zu sichern.

Telefonische Erstberatung – Nicht immer muss man eingreifen

Ein besonders wichtiger Bestandteil der Arbeit des Tiernotruf Saarland e.V. ist die telefonische Beratung von Bürgerinnen und Bürgern, die ein vermeintlich hilfsbedürftiges Wildtier gefunden haben.

Bei Wildtierfunden wird eine erste telefonische Beratung angeboten. Dabei wird bei der Einschätzung unterstützt, ob tatsächlich eine Notlage vorliegt, und es werden Hinweise zum richtigen Verhalten gegeben. Gerade bei Jungtieren ist eine fachliche Einschätzung wichtig, um unnötige Eingriffe in die Natur zu vermeiden.